Eine Geschichte vom Nebligen Eiswald…

Es war ein Sonntag wie aus dem Bilderbuch. In Köln strahlte die Sonne am klaren Himmel, die Luft war frisch, und wir waren voller Vorfreude auf unseren Ausflug. Unser Ziel: Breitscheid. Die Fahrt begann ruhig und entspannt. Das goldene Licht der tief stehenden Sonne begleitete uns durch die Landschaft bis Bergneustadt war nichts das unsere friedliche Stimmung trüben konnte. Doch als wir die Abfahrt Haiger/Burbach erreichten, nahm der Tag eine unerwartete Wendung.

Plötzlich waren wir von einer dichten Nebelwand umgeben. Die Sonne, die uns noch eben begleitet hatte, verschwand vollständig hinter einem grauen Schleier. Die Temperatur fiel rapide. Die Welt verwandelte sich in ein winterliches Märchen: Die Bäume, Äste und Gräser waren mit einer frostigen Schicht überzogen, die im schummrigen Licht des Nebels glitzerte. Es war, als wären wir in eine andere Dimension eingetaucht, eine Welt aus Nebel, Eis und Kälte.

Als wir den Parkplatz erreichten, war uns klar: Dieser Tag würde uns noch lange in Erinnerung bleiben. Der Nebel war so dicht, dass wir kaum drei Meter weit sehen konnten. Die Luft war von einer unheimlichen Stille erfüllt, als hätte die Natur selbst den Atem angehalten. Wir begannen unseren Weg in die Wildnis, nichts ahnend, wohin er uns führen würde.

Der Einstieg war harmlos, doch bald führte uns der Pfad ins Unterholz, wo er sich im unwegsamen Gelände verlor. Wir stolperten über gefrorene Äste und moosbewachsene Steine, die mit einer glatten Eisschicht überzogen waren. Die Kälte kroch in unsere Kleidung, doch die faszinierende Schönheit des Waldes hielt uns in Bann. Die Welt um uns war still, fast zu still, bis auf das knacken der Äste unter unseren Stiefeln.

Nach einiger Zeit stießen wir auf eine alte Bahntrasse, die von der Natur zurückerobert worden war. Die Schienen, einst der Inbegriff von Bewegung und Fortschritt, waren jetzt rostige Überreste, verborgen unter Laub, Moos und einer Eisigen Schicht. Doch das Beeindruckendste war der Tunnel, der sich vor uns auftat. Er wirkte wie ein dunkles Portal, das zu einer verborgenen Welt führte. Ein kalter Windhauch wehte uns entgegen, und wir zögerten kurz, bevor wir vorsichtig näher traten.

Doch diese Witterung hatte auch ihre Tücken, wie das Bild des alten Mannes zeigt. Mit einem knorrigen Stock in der Hand kämpfte er sich durch die Kälte, seine Schritte bedächtig, um nicht auf dem glatten Boden auszurutschen und doch passierte es.

Mitten in diesem eisigen, nebligen Wald entdeckten wir schließlich etwas Unerwartetes: eine kleine Trinkstation. Ein hölzernes Schild wies uns auf einen schlichten Erdschacht hin, in dem Flaschen mit Getränken gelagert waren. Neben dem Erdloch stand ein Sparschwein mit einem handgeschriebenen Zettel: „Nimm, was du brauchst. Gib, was du kannst.“ Es war eine charmante, fast märchenhafte Geste, doch bei diesen Temperaturen war diese Stelle natürlich nicht gefüllt worden. Ha, ha! Wir konnten nur lachen und uns die Idee dahinter bewundern. Eine kleine Spende ließen wir trotzdem da, als Dank für diesen skurrilen und herzlichen Moment mitten im Nirgendwo.

Als wir später den Rückweg antraten, spürten wir, dass dieser Tag mehr war als ein einfacher Ausflug. Der Neblige Eiswald hatte uns in seine frostige, geheimnisvolle Welt entführt, und wir fühlten uns, als hätten wir einen Traum durchlebt.

Von der überwältigenden Schönheit der Natur, ihren unvorhersehbaren Tücken und den kleinen Wundern, die man nur findet, wenn man sich wagt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, darüber werden wir noch oft sprechen.

Liebe Grüße

Alfred

die Bilder gibt es hier:

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