„Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“, das klingt heute wie eine verlorene Melodie in den Ohren der Kölner. Früher war das Herz der Stadt erfüllt vom fröhlichen Trubel auf den Straßen, und die Stimmen auf der Hohe Straße oder der Schildergasse hallten voll Leben und Kölsch-Slang wider. Heute spiegelt sich die Zeit, in der Willi Ostermann diese Zeilen sang, nur noch in den nostalgischen Erinnerungen und der Melancholie vieler Alteingesessener wider.
Die Kaufhäuser, die damals die Einkaufskultur der Stadt prägten, sind verschwunden oder haben sich in anonyme Ladenketten verwandelt. Orte wie der „Kaufhof auf der Hohe Straße“ oder das berühmte „Hertie am Neumarkt“ gibt es nicht mehr, auch der Karstadt, Woolworth oder die gute alte Kaufhalle – Kaufhäuser für das kleine Portemonnaie – prägten jahrelang das Straßenbild und waren die Orte, wo man Bekannte traf, Neuigkeiten austauschte und nicht selten gemeinsam in den Tag hinein lachte. Ebenfalls das Spielwarengeschäft Feldhaus für uns „Pänz“, dem Tchibo wo die Eltern Anfang der 60er für 20,- Pfennige eine Tasse Kaffee im stehen tranken, sind verschwunden. Es verschwinden immer mehr der alten Geschäfte auf diesen Einkaufsstraßen und werden immer häufiger durch Billigläden, Ramschgeschäfte und dergleichen ersetzt. Das Bild einer modernen, uniformen Konsumwelt verdrängt die traditionelle Vielfalt, die Köln einst so lebendig und einzigartig machte.
Damals, in meiner Jugend, kam ich nur selten in die Stadt, aber wenn, dann gab es keine Security vor oder in den Geschäften. Es war ein ganz anderes Gefühl der Freiheit und Sicherheit, einfach durch die Straßen zu schlendern. Heute ist es schon recht beängstigend, abends mal über die Schildergasse oder die Hohe Straße zu flanieren. Die zunehmende Wachsamkeit und die Präsenz von Sicherheitsdiensten lassen uns spüren, dass Köln sich verändert hat und leider nicht immer zum Besseren.
Alles ist dem Kommerz gewichen, selbst der Karneval scheint nur noch darauf ausgerichtet zu sein. Das hat für mich nichts mehr mit dem zu tun, was Karneval einst ausmachte, diese unbeschwerte Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl, wie es die Bläck Fööss einst besangen: „Drink doch ene met…“. Das macht mich ganz traurig. Ich fühle mich wie ein Fremder, wie ein Tourist in meiner eigenen Geburtsstadt. Die vertrauten Ecken sind nicht mehr die gleichen, und das Herz der Stadt scheint mir fern.
Der echte „Kölner an sich“, scheint fast ein Relikt vergangener Zeiten zu sein, und wenn man mal einen trifft, ist es fast wie ein Sechser im Lotto oder als ob man in der Wüste plötzlich einem Landsmann begegnen würde. Die wahren Kölschen Geschichten und Eigenheit verblassen immer mehr. Die typischen Kneipen, wo man ein frisch gezapftes Kölsch bestellte und „Kölsche Tön“ mitsang, sind inzwischen zu edlen Bars umgestaltet oder wischen dem BarberShop und dem Handy-Laden, das urige Flair von früher weicht einer modernisierten Version, in der der Geist der alten Stadt nur noch schwer zu spüren ist.
Dennoch, irgendwo zwischen Dom und Rhein, zwischen Altstadt und Eigelstein, pocht ein Herz, das nicht vergessen lässt, woher Köln kommt und was diese Stadt wirklich ausmacht. Es ist in den kleinen Gesten, im Lachen einer alten Nachbarin und vielleicht sogar in einem stillen „Alaaf“ an einem grauen Montagmorgen spürbar.
Liebe Grüße
Alfred