{"id":3712,"date":"2024-10-26T19:57:15","date_gmt":"2024-10-26T17:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/domstadt.org\/?p=3712"},"modified":"2024-10-26T19:57:15","modified_gmt":"2024-10-26T17:57:15","slug":"och-wat-wor-dat-froeher-schoen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domstadt.org\/?p=3712","title":{"rendered":"\u201eOch, wat wor dat fr\u00f6her sch\u00f6n&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eOch, wat wor dat fr\u00f6her sch\u00f6n doch en Colonia\u201c, das klingt heute wie eine verlorene Melodie in den Ohren der K\u00f6lner. Fr\u00fcher war das Herz der Stadt erf\u00fcllt vom fr\u00f6hlichen Trubel auf den Stra\u00dfen, und die Stimmen auf der Hohe Stra\u00dfe oder der Schildergasse hallten voll Leben und K\u00f6lsch-Slang wider. Heute spiegelt sich die Zeit, in der Willi Ostermann diese Zeilen sang, nur noch in den nostalgischen Erinnerungen und der Melancholie vieler Alteingesessener wider.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kaufh\u00e4user, die damals die Einkaufskultur der Stadt pr\u00e4gten, sind verschwunden oder haben sich in anonyme Ladenketten verwandelt. Orte wie der \u201eKaufhof auf der Hohe Stra\u00dfe\u201c oder das ber\u00fchmte \u201eHertie am Neumarkt\u201c gibt es nicht mehr, auch der Karstadt, Woolworth oder die gute alte Kaufhalle &#8211; Kaufh\u00e4user f\u00fcr das kleine Portemonnaie &#8211; pr\u00e4gten jahrelang das Stra\u00dfenbild und waren die Orte, wo man Bekannte traf, Neuigkeiten austauschte und nicht selten gemeinsam in den Tag hinein lachte. Ebenfalls das Spielwarengesch\u00e4ft Feldhaus f\u00fcr uns \u201eP\u00e4nz\u201c, dem Tchibo wo die Eltern Anfang der 60er f\u00fcr 20,- Pfennige eine Tasse Kaffee im stehen tranken, sind verschwunden. Es verschwinden immer mehr der alten Gesch\u00e4fte auf diesen Einkaufsstra\u00dfen und werden immer h\u00e4ufiger durch Billigl\u00e4den, Ramschgesch\u00e4fte und dergleichen ersetzt. Das Bild einer modernen, uniformen Konsumwelt verdr\u00e4ngt die traditionelle Vielfalt, die K\u00f6ln einst so lebendig und einzigartig machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals, in meiner Jugend, kam ich nur selten in die Stadt, aber wenn, dann gab es keine Security vor oder in den Gesch\u00e4ften. Es war ein ganz anderes Gef\u00fchl der Freiheit und Sicherheit, einfach durch die Stra\u00dfen zu schlendern. Heute ist es schon recht be\u00e4ngstigend, abends mal \u00fcber die Schildergasse oder die Hohe Stra\u00dfe zu flanieren. Die zunehmende Wachsamkeit und die Pr\u00e4senz von Sicherheitsdiensten lassen uns sp\u00fcren, dass K\u00f6ln sich ver\u00e4ndert hat und leider nicht immer zum Besseren.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles ist dem Kommerz gewichen, selbst der Karneval scheint nur noch darauf ausgerichtet zu sein. Das hat f\u00fcr mich nichts mehr mit dem zu tun, was Karneval einst ausmachte, diese unbeschwerte Gemeinschaft und das Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, wie es die Bl\u00e4ck F\u00f6\u00f6ss einst besangen: \u201eDrink doch ene met&#8230;\u201c. Das macht mich ganz traurig. Ich f\u00fchle mich wie ein Fremder, wie ein Tourist in meiner eigenen Geburtsstadt. Die vertrauten Ecken sind nicht mehr die gleichen, und das Herz der Stadt scheint mir fern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der echte \u201eK\u00f6lner an sich\u201c, scheint fast ein Relikt vergangener Zeiten zu sein, und wenn man mal einen trifft, ist es fast wie ein Sechser im Lotto oder als ob man in der W\u00fcste pl\u00f6tzlich einem Landsmann begegnen w\u00fcrde. Die wahren K\u00f6lschen Geschichten und Eigenheit verblassen immer mehr. Die typischen Kneipen, wo man ein frisch gezapftes K\u00f6lsch bestellte und \u201eK\u00f6lsche T\u00f6n\u201c mitsang, sind inzwischen zu edlen Bars umgestaltet oder wischen dem BarberShop und dem Handy-Laden, das urige Flair von fr\u00fcher weicht einer modernisierten Version, in der der Geist der alten Stadt nur noch schwer zu sp\u00fcren ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch, irgendwo zwischen Dom und Rhein, zwischen Altstadt und Eigelstein, pocht ein Herz, das nicht vergessen l\u00e4sst, woher K\u00f6ln kommt und was diese Stadt wirklich ausmacht. Es ist in den kleinen Gesten, im Lachen einer alten Nachbarin und vielleicht sogar in einem stillen \u201eAlaaf\u201c an einem grauen Montagmorgen sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eOch, wat wor dat fr\u00f6her sch\u00f6n doch en Colonia\u201c, das\u2026<\/p>\n<p class=\"continue-reading-button\"> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/domstadt.org\/?p=3712\">Weiterlesen<i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-3712","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-beitraege-zu-koeln"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3712","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3712"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3712\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3724,"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3712\/revisions\/3724"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3712"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3712"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/domstadt.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3712"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}